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Die Geschichte von Yehuda Bacon

"Wer in der Hölle war, weiß, dass es zum Guten keine Alternative gibt."

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Yehuda Bacon wird 1929 als Sohn einer frommen chassidisch - jüdischen Familie im tschechischen Ostrava (Mähren) geboren und
Yehuda Bacon
wächst mit Talmud und Thora, aber auch mit dem Zeichenstifft auf.


1942
Im September 1942 wurde er mit seiner Familie nach Theresienstadt deportiert. Dort begann er zu malen. Er hatte das Glück dort auf die ebenfalls dort internierten jüdischen Künstler Otto Unger, Bedrich Fritta und Leo Hass zu treffen, die ihn unterwiesen. Da Theresienstadt das Vorzeigelager der Nazis war, mit dem sie das Rote Kreuz und die Weltöffentlichkeit täuschen wollten, herrschten
Yehuda Bacon
Yehuda Bacon lebt heute in Jerusalem
dort im Vergleich zu anderen Lagern nahezu paradisische Zustände.
 

1943
Pressetext
Am 17. Dezember 1943 folgte die Deportation nach Auschwitz, wo er seine Nummer 168194 eintätowiert bekam. Auch hier kam er in das sogenannte Familienlager, welches ebenfalls zur Täuschung diente. Doch schon bei seiner Ankunft erhielten die Deportierten den Stempel "SB" - Sonderbehandlung, der den Aufenthalt im Familiencamp auf sechs Monate begrenzte. Danach würde die Vergasung folgen.


1944
Sein Vater wurde am 10/11. Juli 1944, schon kurz nach der Auflösung der Familiencamps in die Gaskammer geschickt. Seine Mutter und seine Schwester starben schließlich im polnischen Lager Stutthof, zwei Wochen vor dem Ende des Krieges.

Nach Ablauf der sechs Monate jedoch wurden 90 Kinder ausgesucht, vermutlich weil sich das Internationale Rote Kreuz nach dem Verbleib der Kinder erkundigt hatte. Doch auch von diesen Kindern überlebten letztlich nur wenige. Ihnen wurden alle möglichen Arbeiten gegeben. 14jährig wird Yehuda zusammen mit anderen Kindern vor einen Pferdewagen gespannt, mit dem im Winter die Asche der vergasten und verbrannten Häftlinge aus den Krematorien geholt wurde. Die Asche wurde auf die vereisten Wege gestreut. Das sogenannte Rollwagenkommando transportierte jedoch auch alle möglichen anderen Güter. Yehuda war ein neugieriges Kind und gelangte so in alle Bereiche des Lagers und der Krematorien. Er fragte die Gefangegen in den Krematorien über ihre Arbeit aus und
Bis zum heutigen Tag entsteht ein vielschichtiges Oeuvre, welches sich in einem eigenwilligen Spannungsgeflecht entfaltet. Zum einen durchziehen die traumatischen Kindheitserlebnisse in den Konzentrationslagern die Arbeiten. Zum anderen, und das ist bedeutend an Bacons Oeuvre, beschreitet der Künstler bis zum heutigen Tag kontinuierlich einen Weg, der ihm trotz dieser traumatischen Erfahrungen einen immer größeren künstlerischen Horizont erschließt. Ganz unscheinbar aber konsequent sucht Jehuda Bacon in seiner Kunst die Versöhnung mit der eigenen Geschichte und entschied sich früh für Vergebung und Völkerverständigung. Und immer wieder sucht der Künstler das Antlitz des Gegenüber. Im Skizzieeren, Zeichnen, Malen, im Klären und Verzerren des Antlitzes setzt er sich mit seiner Vita auseinander. Die Wiederentdeckung der Farbe als selbstloses Mittel künstlerischen Gestaltens spielt hierbei eine wichtige Rolle. Die Tusche ist das Malmittel, Pinsel und Feder sind die Werkzeuge. Der Künstler gehörte zu den ersten Überlebenden der Shoa, die bewusst wieder deutschen Boden betraten.
fertigte er viele Zeichnungen an, die später in mehren Prozessen benutzt werden sollten.
 
In Memory of the Czech Transport to the Gas Chambers
1945
Am 18. Januar 1945 wurde Yehuda Bacon mit anderen Insassen von Auschwitz auf die Todesmärsche geschickt. Wer versuchte sich zu verstecken, um die Befreiung durch die Russen abzuwarten, wurde umgehend erschossen. Zunächst gingen sie in 36 Stunden nach Blechhammer. Danach durchquerten sie Kattowitz, wo einige Gefangene bei einem Luftangriff getötet wurden. In Ostrau bekamen sie Brot und Kaffee von einer tschechischen Wohlfahrtsorganisation. Schließlich gelangten sie über Prag und Budweis nach Mauthausen wo er die Nummer 123583 erhielt. Nur wenig später, am 15. April 1945 wurde er jedoch zu Fuß weiter in das Lager Gunskirchen geschickt, wo die Gefangegenen Baumrinde und Gras als Nahrung bekamen. Dort wurde er schließlich wird er als einziger Überlebender seiner Familie von den Amerikanern befreit.

Nach der Erholung vom Thyphus, kehrte er zunächst nach Prag zurück. Dort wurde er Privatschüler bei Prof. Willy Nowak an der Kunstakademie in Prag.


1946

Nach seiner Auswanderung nach Palästina konnte er seinen Lebenstraum bildender Künstler zu werden, verwirklichen. Er studierte an der renommierten Bezalel Kunstakademie in Jerusalem.


1951
Yehuda Bacon wurde Kunstlehrer an der Brandeis-Schule in Jerusalem.

 
Zeichnung von Yehuda Bacon. Das Gesicht seines Vaters im Qualm der aus den Schornsteinen des Krematoriums  empor steigt.

1945, Kohle auf Papier. Nur kurz nach seiner Befreiung malte der 16-jährige Bacon dieses Portrait seines Vaters. Wie ein Geisterbeschwörer ruft Bacon das ausgezehrte Gesicht seines Vaters hervor, daß ohne Körper aus dem Rauch empor steigt. Das Bild des Vaters, der in den Öfen von Auschwitz endete, wird von dem Sohn rekonstruiert, der erst kürzlich von ihm getrennt wurde. Im unteren Bereich, in dem man sonst mit dem Körper des Vaters erwarten würde, sieht man die Krematorien. In der rechten Ecke hat der Künstler den exakten Zeitpunkt des Todes markiert: 10. Juli 1944 um 22.00 Uhr.
1959
Nach mehreren Studienreisen in Italien, London, New York und
Paris, wurde er als Professor für Grafik und Zeichnen an die Bezalel Kunstakademie berufen.
Das Antlitz

Im gleichen Jahr gab er in Yad Vashem seine Erfahrungen zu Protokoll. Als man nur wenig später für den Eichmann Prozess das Archiv nach belastendem Material durchsuchte, stieß man auf seine Aussagen und bat ihm als Zeuge aufzutreten.


1961
Yehuda Bacon sagte im Eichmann Prozess aus.


1964 / 1965

Von April 1964 bis zum Mai 1965 tagte im Frankfurter Bürgerhaus Gallus der der Auschwitz-Prozess, in dem 22 ehemalige SS-Angehörige des KZ Auschwitz vor Gericht standen. Auch hier sagte Yehuda Bacon aus.


1994
Nach seiner Emeritierung wurde er freischaffend tätig.
Das Antlitz, eine schwarz-weiße Malerei von Yehuda Bacon

In der Rubrik "Search Art" bei "The last expression - Art and Auschwitz" gibt es weitere Kunstwerke von Yehuda Bacon




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